“Though the problems of the world are increasingly complex,the solutions remain embarrassingly simple.”
— Bill Mollison

Permakultur

  • Permakultur produziert nährreiche und gesunde Ernten
  • Permakultur kennt keinen Abfall.
  • Permakultur bietet Unabhängigkeit von globalen Grosskonzernen.

"Permakultur" ("Permanent Agriculture" = "Dauerhafte Landwirtschaft" ) ist das bewusste Gestalten und Erhalten landwirtschaftlich produktiver Ökosysteme, die die Vielfalt, die Dauerhaftigkeit und Selbstregulierungsfähigkeit natürlicher Ökosysteme aufweisen. 
Permakultur-Gestaltung ist ein System, das gedankliche, materielle und strategische Bausteine zu einem Ganzen zusammenfügt, das zum Wohl des Lebens in all seinen Erscheinungsformen arbeitet. 
Die Philosophie, die hinter der Permakultur steht, arbeitet mit der Natur anstatt gegen sie, stützt sich auf ausgedehnte und überlegte Beobachtungen anstatt auf fortwährende gedankenlose Handlungen, beobachtet Systeme in all ihren Funktionen anstatt nur einen bestimmten Ertrag von Ihnen zu fordern und erlaubt den Systemen, ihre eigene Entwicklung zum Ausdruck zu bringen. (Bill Mollison: "Handbuch der Permakultur Gestaltung").

 

Auszug der Erläuterung von:

Declan Kennedy: Architekt, Stadtplaner und Permakultur-Designer

Margrit Kennedy: Architektin, Stadtplanerin und Ökonomin

Berlin, Januar 1983

"Permakultur" aus der Verbindung von "permanent agriculture" entstanden, vereint die Erfahrungen traditioneller landwirtschaftlicher Systeme mit neuen Erkenntnissen aus anderen Disziplinen und verschiedenen Teilen der Welt, um der in den letzten Jahrzehnten eingeführten Energieverschwendung in hochspezialisierten und mechanisierten landwirtschaftlichen Produktionssystemen Einhalt zu gebieten.

Traditionelle landwirtschaftliche Systeme waren im Verhältnis zur heutigen, zentralisierten Monokultursysteme imstande das 30fache an Energieeinheiten zu erbringen.

Um die Bedeutung des Permakulturkonzepts für Europa zu veranschaulichen könnte man sagen, es stelle alles was das jetzige Agrarsystem auszeichnet auf den Kopf. Anstatt landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche, wassertechnische, städtische und bauliche, räumliche und soziale Bestandteile einer Planung getrennt voneinander zu lösen — wie es heute üblich ist — zielt die Permakultur darauf hin ab, alle Elemente so miteinander zu verbinden und zu überlagern, dass Arbeit- und Energieeinsatz minimiert aber der Gesamtertrag optimiert werden.

In hochverdichteten städtischen Agglomerationsräumen scheint kein Raum für ernsthafte Versuche dieser Art zu sein. Ein Blick in unsere jüngste Vergangenheit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg belehrt uns jedoch eines besseren. Eine intensive städtische und stadtnahe Nahrungsmittelproduktion war in allen europäischen Ländern selbstverständlich. Seit den 50er Jahre sind jedoch die intensiv genutzten produktiven Gärten und Gärtnereien verschwunden bzw. in Ziergärten und Blumengärtnereien umgewandelt worden. Nahrungsmittel wurden in immer grösseren und spezialisierteren landwirtschaftlichen Betrieben und in immer grösserer Entfernung zum Konsumenten erzeugt. Die Kosten dieses "Fortschritts" (im doppelten Sinne) werden im Vergleich zum steigenden Ertrag selten erwähnt. Allein die notwendige Kunstdüngerproduktion in West Deutschland verschlingt heute mehr Energie als alle deutschen Kernkraftwerke zusammen produzieren. Durch die energieaufwendige chemische Komplettbehandlung von Obst, Gemüse und Getreide sind nicht nur Geschmack, Nährwert und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf der Strecke geblieben, sondern die Zahl resistenter Schädlinge nimmt lawinenartig zu.

In Anbetracht der kommenden Nahrungsmittelkrise, deren Anzeichen gegenwärtig durch ein immenses und absurdes Agrarsubventionssystem verdeckt werden, müssen alternative Beispiele zum zentralisierten Monokulturbetrieb wie auch zur arbeitsaufwendigen Gartenkultur unserer Vorfahren geschaffen werden. Permakultursysteme zeigen wie sich jeder mit einem geringen Platz- und Zeitaufwand, aber einem neuen Verständnis für natürliche Kreisläufe, selbst versorgen und gleichzeitig Energie, Wasser und nicht erneuerbare Rohstoffe sparen kann. Obwohl die meisten Beispiele aus ländlichen Gegenden kommen, ist der Ansatz für Stadt, Vorstadt und Land gleichermassen anwendbar. Grosse Mengen ungenutzter Flächen gibt es auch in verdichteten Städten. Gärten, Fassaden, Dächer, Höfe, Strassenräume, Parkplätze und öffentliche Freiräume können umgenutzt werden und neue wirtschaftliche und soziale Zusammenschlüsse fördern, ohne dass Abriss und Neubau notwendig sind.

Unsere eigene Permakulturerfahrung seit zwei Jahren zeigt, dass in einem Garten von ca. 6m. x 12m. ca. 40% unserer Nahrung mit einem durchschnittlichen Arbeitsaufwand von 5 Minuten pro Tag zu produzieren ist, d.h. ein weit geringerer Zeitaufwand als das Einkaufen benötigt. Das beste aber ist die Frische und Qualität der Nahrung — wir haben noch nie so gut gegessen. Wir haben einen sandigen Boden auf dem angeblich nichts wachsen soll, Schatten durch hohe Bäume und geringe Erfahrung mit Gartenbau.

Wichtig ist, dass Permakultur nicht als eine neue Technik verstanden wird. Bücher über Techniken zu verschiedenen Elementen und Teilbereichen (Energie, Wasser, Luft, Grün, ökologischer Landbau, Lehmbau, Baubiologie, usw.) gibt es genug, und jeder gute Ansatz ist wichtig. Noch wichtiger aber — und sehr viel seltener deutlich beschrieben oder praktisch erprobt — sind Strategien zu deren Integration, Synthese und Überlagerung nach den zwei Grundregeln:

1. Jedes Element oder jeder Teilbereich erfüllt mehrere Funktionen;

2. Jede Funktion wird durch mehrere Elemente oder Teilbereich abgedeckt. Nur hierdurch lässt sich gleichzeitig eine grösstmögliche Stabilität und Flexibilität erreichen.

Die ideale Permakultur speichert Regenwasser und Sonnenenergie, nutzt sie sparsam und effektiv, verbessert die Bodenfruchtbarkeit und verwendet die Abfälle der einen Tier- und Pflanzenart als Rohstoffe für die nächste. Sie ordnet Tiere und Pflanzen so zueinander, dass ihre Bedürfnisse/ohne menschliches Zutun erfüllt sind. Das heisst, das Prinzip des Urwalds eines autonomen Ökosystems auf Nutzpflanzen und -tiere übertragen. In einem solchen System versteht sich der Mensch nicht als Meister einer kurzfristigen ausbeuterischen Profitmaximierung sondern als Hüter und Steuermann von Zyklen und Gesetzen, die weit vor ihm entstanden sind und weit nach ihm wirken werden. Er kann sie und damit sich selbst zerstören oder er kann sie sich zunutze machen und in und mit ihnen noch lange überleben. Die Wahl scheint einfach. Doch nichts ist heute schwerer als das Einfache zu tun. Deshalb wird jeder Schritt hin zu einer dauerhaften Landwirtschaft und Kultur als kühne Tat gegen die aggressive Zerstörung und Ausbeutung der uns verbliebenen planetaren Reserven zu feiern sein.

Grundsätze der Permakulturgestaltung

Diese Leitgedanken, von Bill Mollison und David Holmgren aus der Fülle ihrer lebenslangen Planungserfahrung heraus formuliert, sind die Grundlage jedes Permakultur – Entwurfs. Sie sind für jeden Garten, für jedes Permakultur System, egal wo auf der Welt es entstehen soll, anwendbar !!

1.     Effizientes Energie – Management – ZONENPLANUNG Bestmögliche Nutzung der Energie im System

2.     Effizientes Energie – Management – SEKTORENPLANUNG

Bestmögliche Nutzung der von aussen einströmenden Energie

3.     Funktions – Management Jedes Element erfüllt mehrer Aufgaben – Jede wichtige Aufgabe wird von mehreren Elementen erfüllt

4.     Räumliche Ordnung Jedes Element kommt an den Platz, an dem die meisten nützlichen Beziehungen zu anderen Elementen wirksam werden

5.     Biologische Mitarbeiter/Innen vor „fossilen“ Arbeitsplätze für Pflanzen, Tiere und Menschen einrichten anstatt für Erdöl getriebene Maschinen

6.     Kreislaufwirtschaft Möglichst kleine Kreisläufe von Material und Energie schliessen

7.     Vielfalt als Prinzip

Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Elementen, Beziehungen, Ernten, …. .. fördern

8.     Nutzung diversifizieren Möglichst kleine, möglichst intensiv genutzte Bereiche – und möglichst grosse, möglichst extensiv, oder gar nicht mehr genutzte Bereiche

9.     Sukzession fördern Natürliche Abfolge von Pflanzengesellschaften zulassen und nutzen

10.  Schichten und Stapeln Elemente – Teile (z.B. Pflanzen, Tiere) zeitlich, räumlich, beziehungsmässig, „übereinander schichten“

11.  Randzoneneffekte optimieren und nutzen

12.  Patterns, die Muster – Sprache der Natur, verstehen und in den Entwurf einbauen

 


Beispiel Zonenplanung

Diese hier am Beispiel eines lokalen Aussenraums dargestellte Zonen zeigen eine Einteilung der Gesamtfläche in deren Nutzungsbeanspruchung. Interessanterweise lässt sich dieses Einteilungsprinzip auf weitere Themen wie Raumplanung, Stadtplanung, Landschaftsplanung, Architektur, Ökonomie, Soziales, Bildung, Politik und Organisationsformen übertragen

Die Mitglieder von SeedCity, möchten Querverbindungen zu diesen Disziplinen schaffen. Die Herausforderung ist dabei durchaus sehr komplex. Der Garten als zu gestaltender und produktiver Ort bietet dazu ideale Räume.

 

Permakultur in SeedCity: Permakultur Lernbiotop

siehe Organisation

Resourcen

 

Inspirierende Projekte

Tamera

Birchof

Sepp Holzer